Liquid Art – Vergängliche Schönheiten

Liquid Art ist eine Fotoserie über kollidierende Wassertropfen, welche in Sekundenbruchteilen spektakuläre Skulpturen bilden. Diese sind so schnell und kurzlebig, dass sie für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar sind. Nur mit Hilfe meiner Kamera gelingt es mir diese flüssigen Skulpturen festzuhalten und dem Betrachter zugänglich zu machen. Sie finden einige der Bilder in meiner Liquid Art Gallerie meines Portfolios. Auf dieser Seiten finden sich viele Informationen über den Entstehungsprozess und die entsprechende Fototechnik mit der ich diese Bilder entstehen lasse.

Wie alles begann

Es begann alles mit einem Bild in einem meiner Fotobücher über das ich eher zufällig gestossen bin. Darauf zu sehen war eine Kaffeetasse und ein Tropfen Milch der in den Kaffee tropfte. Dieses Bild hatte mich dazu inspiriert, selbst mit Flüssigkeiten zu experimentieren. Für meine ersten Versuche benutzte ich eine Spritze, ein Wasserbecken und einen Fernauslöser für meine Kamera. In einer Hand hielt ich die Spritze und versuchte möglichst gleichmässig auf die selbe Stelle zu tropfen. Mit meiner anderen Hand versuchte ich mit der Fernauslösung meine Kamera genau im richtigen Moment auszulösen. Die Trefferquote war nicht gerade hoch, aber die ersten Bilder reichten aus um meine Leidenschaft zu entfachen.

Als nächsten Schritt besorgte ich mir ein Infusionsset aus der Apotheke um die Tropfen genauer kontrollieren zu können. Die Kamera musste ich aber nach wie vor manuell auslösen. Aus dieser Situation heraus begann ich zu überlegen, wie ich den Prozess des fotografierens automatisieren könnte. Meine Ausbildung als Informatiker kam mir dabei sehr zu gute. Es folgte eine lange und sehr zeitaufwändige Entwicklungsphase ehe ich meine eigene mikrokontroller-basierte Wassertropfenmaschine fertiggestellt hatte. Mit dieser ist es mir nun möglich, alle an dem Prozess beteiligten Komponenten auf die Millisekunde genau zu steuern.

An der Schnittstelle zwischen Technik und Kunst finden sich die Liquid Art Fotografien Stefan Brenners.Der Künstler schafft in einem physikalischen Spiel mit Schwerkraft, Kohäsion und Viskosität Skulpturen des Augenblicks, welche er mittels Kamera dem menschlichen Auge zugänglich macht. Die Faszination, die diese Skulpturen umgibt, liegt in der Sichtbarmachung des Unsichtbaren. Ein Grundmotiv in vielen Arbeiten des Fotografen. Es findet sich in seinen Liquid Art, sowie in seinen Natur und Astrofotografien. Der ästhetische Kern seines Schaffens bildet hierbei der Versuch eines unverhüllten Blicks auf die Schönheit der Natur: Eine Schönheit, die in der Stille des Momentes und seiner Vergänglichkeit vergraben liegt. (Andreas Fischer)

Technische Details

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Für das Erzeugen der Wassertropfen verwende ich Magnetventile die sehr präzise gesteuert werden können. Diese sind mit einem Arduino Mikrokontroller verbunden. Somit kann ich die Öffnungs- und Verschlusszeiten der Ventile und somit die Grösse und den Zeitpunkt der Tropfen exakt steuern.

Meine Kamera und meine Blitze sind ebenfalls an diesen Mikrokontroller angeschlossen.

Mein Setup

Waterdropmachine_0002

Die Basis meiner Wassertropfenmaschine ist eine simple Holzkonstruktion an die ich alle benötigten Komponenten befestigen kann.

Für die Aufnahmen meiner Liquid Art Skulpturen verwenden ich dabei folgende Komponenten:

  • Kamera: Canon EOS 7D
  • Objektiv: Canon 105mm 2.8f L IS Makro
  • Blitze: Canon Speedlites und Yongnuo Blitze
  • Stativ: Sirui Tripod
  • Filter: UV Filter (nur für den Schutz des Objektivs)

Die besten Resultate erziele ich mit folgenden Kameraeinstellungen:

  • Modus: manuell
  • Belichtungszeit: 1/100
  • Blende: f16 – f22
  • ISO: 100 – 400
  • Blitz: so weit wie möglich zurückgeregelt (1/32, 1/64)
  • Fokus: manuell
  • Weißabgleich: auto

Droplet – Werkzeug für High-Speed-Fotografie

Um meine Wassertropfenmaschine möglichst komfortabel bedienen zu können, entwickelte ich mir eine eigene Software namens Droplet. Dies ist ein plattformunabhängiges Java-Programm mit dem über USB mit dem Arduino Mikrokontroller kommuniziert werden kann und die Zeiten der Geräte (Ventile, Kamera, Blitze) bequem über eine moderne Benutzeroberfläche gesteuert werden können.

Mehr Informationen zu Droplet finden sich unter Droplet – Werkzeug für High-Speed-Fotografie.

Belichtung und Farben

Das Schlüsselelement in der Liquid Art Fotografie ist die Belichtung. Ohne die Hilfe der Blitze wäre es mir nicht möglich scharfe Bilder der Wassertropfenskulpturen zu erzeugen. Die kürzeste Verschlusszeit moderner Digitalkameras liegt bei ungefähr 1/8000. Nachdem die Flüssigkeiten jedoch so extrem schnell sind, sind selbst diese kurzen Verschlusszeiten noch viel zu langsam für gestochen scharfe Bilder. Daher steuere ich die Belichtung nicht über die Kamera, sonder über die Blitze. Diese werden so weit wie möglich zurückgeregelt sodass diese nur noch für ca. 1/20.000 einer Sekunden das Blitzlicht abgeben. Die Kamera wird dabei auf 1/100 Belichtungszeit gestellt und der Raum abgedunkelt.

Um ein möglichst weiches Licht zu erhalten, verwende ich halbdurchsichtige Acrylglasscheiben um das Licht zu streuen. Damit erhalte ich ein sanftes Licht ohne unerwünschte harte Kontouren und Reflexionen.

Die meisten Flüssigkeiten die ich zum Tropfen verwende sind transparent oder nur sehr schwach gefärbt. Daher mische ich zum Beispiel Tinte, Druckertinte, Lebensmittelfarbe oder auch Textilfarbe dazu um knallige Farben und viel Kontrast in den Bilder zu erhalten. Hin und wieder verwende ich auch noch zusätzlich Farbfolien vor den Blitzen um das Blitzlicht einzufärben.

Wichtige Parameter

Es gibt viele Parameter die das Erscheinungsbild meiner flüssigen Skulpturen beeinflussen. Die wichtigsten davon sind:

  • Fallhöhe / Druck → Geschwindigkeit der Flüssigkeit
  • die Flüssigkeit
  • die Viskosität der Flüssigkeit

Meistens verwende ich Wasser oder Milch als Basis für die Tropfflüssigkeit. Um die Viskosität zu verändern, mische ich unterschiedlichste chemische Substanzen (z.B. Guarkernmehl, Xanathan, Glycerol, …) und variiere die Temperatur (je kälter die Flüssigkeit ist, desto viskoser ist diese und umgekehrt).

Nachbearbeitung

Viele Betrachter die mit dieser Form der Fotografie noch nicht vertraut sind denken, dass sehr viel digitale Bildbearbeitung und -manipulation in diesen Bildern steckt. Dies ist jedoch nicht der Fall. Ich beschränke meine Nachbearbeitung auf folgende Schritte:

  • Beschneiden und Geraderichten
  • Belichtungskorrekturen und Histogram optimieren
  • Weißabgleich
  • Kontraste und Farbsättigung optimieren
  • kleinere Farbkorrekturen (aber keine Farbveränderungen)
  • Hintergrund säubern
  • Schärfen

Vorher

Nachher
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